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Prof. Dr. Rainer Heß, LL.M.

Rechtsanwalt
Fachanwalt für Verkehrsrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht

Anfrage

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04.11.2022

Rennradunfall durch „Dooring“

Das LG Köln hatte eine – leider – klassischen Unfallsituation Kfz – Radfahrer zu beurteilen. Als der Kläger mit seinem Rennrad und mit ca. 30 km/h auf der Straße fuhr, öffnete die Beklagte die Fahrertür ihres neben der Fahrbahn abgestellten Pkw. Es kann zur Kollision, bei der der Kläger stürzte und sich verletzte. Die Kfz-Haftpflichtversicherung hatte eine Haftung zu 75 % anerkannt, das LG sprach dem Fahrradfahrer 100 % zu. Das LG verwies auf die höchsten Sorgfaltsanforderungen beim Ein- und Aussteigen gem. §14 StVO gegen die die Beklagte verstoßen hatte. Ein Mitverschulden des Klägers konnte das LG demgegenüber aber nicht feststellen.

. Die Behauptung der Beklagten, der Kläger sei mit einem Seitenabstand von lediglich 45 cm gefahren, konnte der Sachverständige nicht feststellen. Der Abstand hätte auch 65 cm betragen können, wobei es sich hierbei um den Abstand zu dem äußersten rechten Ende des Fahrradlenkers handelt. Aufgrund der Örtlichkeit ging das LG daher davon aus, dass der für ein Mitverschulden erforderliche Beweis eines zu geringen Abstands durch die Beklagten nicht geführt war. Auch der Umstand, dass der Kläger mit seinem Rennrad deutlich schneller als die durchschnittliche Geschwindigkeit von Fahrrädern fuhr, reicht hierfür nicht aus. Der Kläger musste nicht mit einer derart groben Unaufmerksamkeit der Beklagten rechnen. Das LG ging daher von einer 100 % Haftungsquote aus.

Zu diesem Urteil ist anzumerken, dass auch die gefahrene Geschwindigkeit des Rennrades in Zeiten der vermehrten Nutzung von Pedelecs nicht mehr so außergewöhnlich ist. Bei diesen (die als Fahrrad rechtlich zu qualifizieren sind) findet bis zu 25 km/h eine elektrische Unterstützung statt, was natürlich zu einem höheren Geschwindigkeitsniveau von Fahrradfahrern führt. Dies kann aber, insbesondere in Fällen grober Unaufmerksamkeit von Kfz-Fahrern gegenüber Radfahrern nicht zu der Anrechnung einer Mitschuld führen

LG Köln, Urteil vom 02.08.2022 – 5 O372/20 = BeckRS 2022, 22135

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